Eine Hand voll E-Nummern – Was steckt in der Leberwurst?

E250, E450, E471, E472c, E301: Was anmutet wie Bezeichnungen für die neuesten Handymodelle, sind in Wirklichkeit Inhaltsstoffe einer Leberwurst.

Und nicht nur in der beliebten Wurst finden sich diese und weitere Lebensmittelzusatzstoffe. Die sogenannten E-Nummern erfreuen sich in der Lebensmittelindustrie größter Beliebtheit.
Leberwurst

Was steckt drin in meiner Leberwurst? (Foto by stu_spivack Flickr)

Doch was bedeuten die geheimnisvollen Kürzel? Und wieso werden sie überhaupt unserem Essen zugesetzt?

Als Lebensmittelzusatzstoffe, werden solche Substanzen bezeichnet, die einem Lebensmittel zugesetzt werden, jedoch an sich selber keine Lebensmittel sind. Sie werden aus technologischen Gründen verwendet, um ein Lebensmittel haltbarer, back- oder streichfähiger oder ansehnlicher zu machen.
Das E vor der jeweiligen Zahlenkombination bedeutet, dass der zugesetzte Stoff in der ganzen EU sowie in der Schweiz unter dem  Kürzel zu identifizieren ist. Somit ist in großen Teilen Europas eine einheitliche Beschriftung von Lebensmittelverpackungen möglich.
E-Nummern in der EU

Die Kennzeichnung der E-Nummern erfolgt in der EU und der Schweiz gleich (Foto by openDemocracy Flickr)

Was steckt hinter welcher Nummer?

Die E-Nummern sind natürlich nicht beliebig in der Reihenfolge ihrer Entdeckung benannt. Vielmehr kann man sie verschiedenen Kategorien zuordnen.
Tabelle
Von den fast 1000 verschiedenen Zusatzstoffen sind jedoch nur gut 300 zugelassen.


In Deutschland werden die Zusatzstoffe durch das sogenannte Lebensmittel-, Bedarfsgegenstände und Futtermittelgesetzbuch geregelt. Dort wird auch festgelegt, dass die verschiedenen Substanzen lediglich dann verwendet werden dürfen, wenn sie absolut technisch notwendig und gesundheitlich unbedenklich sind.
Die Gesetze besagen auch, dass ein Stoff so lange verboten ist, so lange er nicht ausdrücklich erlaubt ist. Es dürfen also neue Stoffe erst nach gewissenhafter Prüfung durch eine Vielzahl wissenschaftlicher Studien und Untersuchungen zugelassen werden, um den Verbraucher ein maximales Maß an Sicherheit gewährleisten zu können.
Labor

Lebensmittelzusatzstoffe unterliegen einer strengen Prüfung, bevor eine Zulassung erlaubt wird (Foto by CIAT - International Centre for Tropical Agriculture)

Doch die Sache hat einen Haken…

Nicht für jeden Lebensmittelzusatzstoff gibt es eine sogenannte Höchstmengenverordnung. Das heißt, dass der Hersteller eine beliebige davon Menge einsetzen kann. Zwar sollten sich die Produzenten an die Regeln der guten Herstellungspraxis halten, doch besagen auch diese nur: „Verwende so viel wie nötig, aber so wenig wie möglich!“ Klare Vorgaben können aus dieser Aussage nicht abgeleitet werden.
Einige Lebensmittelzusatzstoffe haben zudem den Ruf  – und das trotz aller vorherigen Untersuchungen – unerwünschte Nebenwirkungen im Organismus hervorzurufen.
Vor allem den Konservierungsmitteln werden krebserregende Eigenschaften nachgesagt, da sich aus ihnen sogenannte Nitrosamine bilden können. Dabei handelt es sich um Stoffe, die im Verdacht stehen eine kanzerogene Wirkung zu haben.

Was ist also drin in meiner Leberwurst?

  • E250 – Natriumnitrit: Ein Konservierungsmittel, das im Verdacht steht Krebs zu erregen
  • E301 – Natriumascorbat: Eine Verbindung aus Natrium und Vitamin C, die verhindern soll, dass das Fett in der Leberwurst oxidiert wird und ranzig wird. Natrium und Vitamin C sind gesundheitlich vollkommen unbedenklich.
  • E450 – Diphosphate: Eine Verbindung aus Sauerstoff und Phosphor, die als Emulgator wirkt. Diphosphate stehen im Verdacht bei übermäßigen Verzehr Hyperaktivität zu             begünstigen.
  • E471 – Mono- und Diglyceride: Fettverbindungen, die unbedenklich sind und ebenfalls als Emulgatoren wirken.
  • E472c – Zitronensäureester: Auch sie dienen als Emulgatoren und sorgen somit für eine optimale Verteilung des Fetts in der Wurst und ein angenehmes Gefühl im Mund.

Werde ich nun von meiner Leberwurst ein hyperaktiver Krebspatient?

Vermutlich nicht! Es sei denn, ich würde jeden Tag zu jeder Mahlzeit immer die gleiche Leberwurst essen und das in Massen. Und selbst dann würde ich lediglich das Risiko erhöhen irgendwann einmal zu erkranken.

Aber trotzdem ist Vorsicht geboten. Nicht nur in Wurstwaren verbergen sich bedenkliche Zusatzstoffe. So kann durch die verschiedenen am Tag verzehrten Lebensmittel eine relativ hohe Menge zusammen kommen.  Aus diesem Grund schadet es nicht, sich die Etiketten einmal genauer anzuschauen.
Auch eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung sollten nicht zu kurz kommen.
Auf meine Leberwurst muss ich dann also nicht verzichten. Denn ab und an verzehrt sind Lebensmittelzusatzstoffe sicherlich unbedenklich. Jedoch gilt auch hier, wie so oft im Leben: Lieber in Maßen als in Massen.

About Mel

Melanie Reichelt (26) ist Master Studentin im Bereich Ernährungswissenschaften an der Martin-Luther-Universität in Halle (Saale). In den Bereichen Ernährung, Gesundheit & Medizin hat Sie fundiertes Fachwissen, welches Sie in Ihren Blogbeiträgen vermitteln will. Mel würde sich über Kommentare zu Ihren Beiträgen freuen. :)
This entry was posted in Ernährung, Gesundheit and tagged , . Bookmark the permalink.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *