Die ältere Generation im Netz

Wer ist das überhaupt, die „ältere Generation“? Wenn wir Menschen in einem Alter ab 50+ darunter verstehen, dann ist das so ein bunter Haufen wie das Publikum von Weltstars – Individuen, die nicht unbedingt viele Gemeinsamkeiten haben müssen und nur durch eine gemeinsame Vorliebe am gleichen Ort zu finden sind. In Bezug auf die Internet-Nutzung lässt sich sicher sagen: Wer einmal die Geheimnisse der richtigen PC-Bedienung inklusive der Zugangsvoraussetzungen für das World Wide Web für sich erschlossen hat, nutzt sie frei nach seinen Interessen und zu seinen Gunsten, ganz unabhängig davon, zu welchem Jahrgang er gehört. Es muss nur erst die Hürde des richtigen Umgangs mit dem Computer genommen werden. Sobald aber das System verstanden ist, stehen einem die vielfältigen Möglichkeiten der Nutzung mit und ohne Internetzugang offen. So bietet einem die weite Welt des Internets Seiten zu den verschiedensten Themen. Von der Fassadensanierung (Webseite besuchen) über Informationen zu Gesundheitsthemen bis hin zu Rezepten findet man alles.

Jeder, wie er mag
Diejenigen aus der sogenannten „älteren Generation“, die sich die neue Technik erobert haben, folgen, so wie auch die Jüngeren, ihren Vorlieben. Mode-interessierte Frauen (oder Männer) gehen online Shoppen, Baumarkt-interessierte Herren (oder Damen) können sich den neuesten Akkubohrer im Netz oder auch Lebensmittel online bestellen. Ein Unterschied zu weniger Lebenserfahrenen wird vielleicht in der Fülle der vorangehenden Recherchen bestehen: Als „Alte/r“ weiß man, dass bei Waren auch die Qualität zu beachten ist, und gerade rüstige Rentner können sich die Zeit nehmen, im Internet vor dem Kauf zahlreiche Testberichte zu studieren. Dank Suchmaschinen wie Google sind keine Insider-Kenntnisse erforderlich, um die entsprechenden Seiten zu finden. Und wer mit jedem Cent rechnen muß, findet schnell heraus, auf welchen Websites Preisvergleiche angeboten werden.

Versorgung
Für viele ältere Menschen wird leider eine zunehmende Beschränkung der Mobilität zu einem großen Problem. Dank Internet bleibt für sie der Zugang zur Außenwelt dennoch offen: Bei entsprechender Infrastruktur lassen sich alle Dinge für den täglichen Bedarf, die auf Händlerseiten zu bestellen sind, durch Zustelldienste ins Haus liefern. Das heißt, auch die notwendige Versorgung mit Lebens- und Arzneimitteln, Haushalts- und Hygieneartikeln kann vom heimischen Schreibtisch aus gesteuert werden. Und selbst rezeptpflichtige Medikamente werden nach einer Online-Bestellung geliefert, sobald dem Versender ein zugeschicktes ärztliches Original-Rezept vorliegt.

Medizinischer Rat
Es sind sicher nicht nur die Älteren, die bei neu auftretenden Krankheitssymptomen bei sich oder nahestehenden Menschen eifrig „Dr. Internet“ befragen. Wieder sind es zumeist die Suchmaschinen, die die Ratsuchenden zu mehr oder weniger seriösen Informationsseiten führen. Auch wenn viele Ärzte die neue medizinische „Halbbildung“ und damit ein steigendes Mißtrauen ihnen gegenüber bei ihren Patienten beklagen – der Erfahrungsaustausch, der in vielen Blogs betrieben wird, kann in vielen Fällen zur richtigen Methode gegen das neue oder auch alte Leiden führen. Schließlich kann sich ein Blogger mit den Beschreibungen seiner eigenen Erfahrungen ausbreiten, und es wird immer jemanden geben, dem dies weiterhilft. Vorsicht ist allerdings bei Pseudo Erfahrungsberichten mit versteckten Werbeinhalten geboten.

Liebe
Ein interessantes Thema ist die Partnersuche ab 50 im Internet. Die Jungen nutzen sie, weil sie mit dem Internet großgeworden sind und Schüler- und Studentenportale und Netzwerke wie Facebook für sie eine Selbstverständlichkeit sind. Da liegt es nahe, ebenfalls das Gegenüber für das nächste Date auf einer Kontakt-Website zu suchen. Für Ältere hingegen ist die Beteiligung an digitalen Kontaktbörsen ideal, weil das Spektrum der Lebenssituationen der Menschen im Bereich 50+ sehr groß ist und, im Gegensatz zu Jugendlichen, die Offenheit für neue Beziehungen bei ihnen nicht per se vorausgesetzt werden kann. In einer Kontaktbörse aber treffen sich ausschließlich Menschen, die von sich wissen, dass sie eine neue Partnerschaft anstreben. Und wer Unsicherheiten hat im Bereich seiner sozialen und/oder körperlichen Attraktivität, kann durch per Mail übersandte und immer noch anonyme Beschreibungen und Fotos von sich selbst einer verletzenden Ablehnung beim Offline-Treffen vorbeugen. Die Gefahr eines Missbrauchs gerade von Fotos ist dabei allerdings immer gegeben, weshalb Kontaktagenturen, bei denen Personendaten hinterlegt sind, zumindest in geringem Maße vor derartigen Geschehnissen schützen können. Verbrechen nach Kontaktaufnahmen im Internet sind leider keine Erfindungen der Krimi-Autoren und genauso Teil der Realität, wie die wahren Geschichten vom Finden der großen Liebe in späten Jahren per digitaler Kontaktanzeige.

Die nächste Generation
Zu guter Letzt eine Anregung auch für die Senioren, die sich vielleicht nicht mehr etwas so Spektakuläres wie eine neue Partnerschaft wünschen, aber gerne ihr Wissen und ihre Erfahrungen an andere weitergeben würden: Auf Websites, in denen Fragen zu allen möglichen Themenbereichen gestellt werden können („Wie bekomme ich einen angebrannten Topf wieder sauber?“; „Soll ich mich von meinem Freund trennen?“), sind sowohl praktische Tipps als auch erworbene Weisheiten aus einem langen Leben immer willkommen!

About Tino

Tino Hartmann (24) ist Diplom Student im Bereich Betriebswirtschaftslehre an der Martin-Luther-Universität in Halle (Saale). In den Bereichen Wirtschaft, Technik und Internet hat er fundiertes Fachwissen, welches er in Ihren Blogbeiträgen vermitteln will. Tino freut sich über Kommentare zu seinen Beiträgen. :)
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7 Responses to Die ältere Generation im Netz

  1. waelti says:

    Nachdem ich gerade eben einen anderen Blogartikel über die „50+ / Senioren“ zerissen habe bin ich hier ziemlich erstaunt. Das Alter von Tino steht ja unten. Noch mehr erstaunt.

    Viele Informationen. Im Gegensatz zu manch anderem Artikel für Senioren nicht verletzend. (Das ist gar nicht so selten. Schublade > 50 = ALT).

    Ich kann es mir nicht verkneifen…
    Den Satz

    „Die Gefahr eines Missbrauchs gerade von Fotos ist dabei allerdings immer gegeben, weshalb Kontaktagenturen, bei denen Personendaten hinterlegt sind, zumindest in geringem Maße vor derartigen Geschehnissen schützen können.“

    hätte ich mit weniger Kommata geschrieben. Mehr Punkte.
    Zugegeben, in einem älteren Blogartikel habe ich selbst einen Satz mit noch vieeel mehr Wörtern 😀

    LG

  2. waelti says:

    Sry, ein Nachtrag. Gerade erst gesehen. Die animierte Tag-Cloud ist vielleicht nicht ganz Seniorengerecht. Für mich, 50ig. Und meinen Laptop. Celeron. Beide sind da mit der Leistungsfähigkeit am Anschlag. Manch anderer vielleicht auch? Weiter unten, rein Text habe ich gesehen. Mit ohne Brille…

    Ansonsten lese ich sehr selten in so klar gegliederten Blogs.

  3. Tino says:

    Hallo waelti,

    dank dir für deine erfreulichen Kommentare. :)
    Bei der Tag-Cloud werde ich mir wohl in der Tat noch etwas überlegen, da hast du Recht.

    Liebe Grüße

    Tino

  4. Antonia Merker says:

    Sehr interessanter und gut strukturierter Artikel! Das Internet ist in der Tat ein tollen Betätigungsfeld für Senioren – hält die Zellen fit, bietet Informationen und Kontaktmöglichkeiten.
    Auf der anderen Seite besteht natürlich durch moderne Kommunikationsmöglichkeiten auch die Gefahr der Isolation, denn vor dem Rechner sitzt man meist alleine.
    Ich nutze das Internet, aber auf der anderen Seite halte ich es auch für wichtig, „echte“ Kontakte zu pflegen. Am meisten Spaß macht mir das in meiner Musikgruppe. Auch in höherem Lebensalter kann man nämlich sehr gut ein Instrument erlernen, am besten in einer Gemeinschaft! Wer mehr lesen will, sollte sich das Buch „Unerhört!“ mal zu Gemüte führen (hier wieder internetaffin als e-book), verfügbar unter http://www.hausarbeiten.de/faecher/vorschau/176702.html

  5. Sophia says:

    Hallo liebe Leute.
    Sehr interessanter Artikel. Ich bin selber über 50 Jahre alt und bin viel und gerne im Internet unterwegs. Ich habe durch meine Arbeit zum Internet gefunden, und bin sehr glücklich darüber, dass ich mit dem Internet umgehen kann. Wenn ich einige meiner Bekannten sehe, die nicht einmal einen Computer bedienen können, ist das schon traurig. Ich finde es sollte auch viel mehr Kurse für Senioren geben, damit diese den Umgang mit Computern und dem Internet lernen.
    Ich habe da neulich einen interessanten Blogartikel über Silver Surfer gelesen. Dort ging es auch um ehrenamtliche Kurse. Finde ich eine gute Sache.

    Liebe Grüße
    Sophia

    • Tino says:

      Hallo Sophia,

      vielen Dank für deinen Kommentar. :-)
      Ich gebe dir vollkommen Recht, dass vor allem für ältere Leute mehr Kurse in dieser Richtung angeboten werden sollten, um den Senioren auch gewisserweise die „Angst“ vor dem Medium Internet zu nehmen.

      Liebe Grüße

      Tino

  6. Michael Rau says:

    Das Buch „Gretes Geschichte“ von C. Wernersson, zu haben bei http://www.literaturdepot.eu, hat mich zu diesem Thema begeistert. Da wird Situationskomik mit der sozialen Frage verknüpft, und das Tabu Demenz ist auch mit drin – da werden Kinder und Erwachsene gleichermaßen sanft und deutlich darauf aufmerksam, dass wir so nicht weitermachen können in unserer alternden Gesellschafz – die Alten wegschließen oder ausschließen? Nein, sondern miteinander, die Enkelin mit der Oma zeigt’s den Erwachsenen. Und die Zipperlein und Besonderheiten des Alters sind da so überzeichnet – da können auch die Alten drüber lachen und sich evtl. freuen, dass es ihnen noch nicht so geht. Muss man gelesen haben und auch den Kindern zu lesen geben!

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